Artland Dragons mit zwei Gesichtern – „Red Devils“ aus Bramsche kein Maßstab – Es bleiben viele Fragen

Artland Dragons mit zwei Gesichtern – „Red Devils“ aus Bramsche kein Maßstab – Es bleiben viele Fragen
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Mit Karl Potratz (3. v.l.), Thorben Döding (rechts daneben) und Roberts Blumbergs (nicht auf dem Bild) stellten die Dragons erstmalig die Weichen für die Integration von Jugendbasketball im Profisport

Quakenbrück – Kann man aus der Liga-Zugehörigkeit des Gegners auf den Nutzen eines Tests schließen? Man kann – wenn auch nicht immer. Der TuS Bramsche (2. Regionalliga) wurde zwar kein totaler Spielball für die Artland Dragons, weil er bis zum 33:22 in der Halbzeit ordentlich mithielt, aber die Aussagekraft des 88:41-Sieges bleibt fraglich.

Eine zwei Klassen tiefer agierende Mannschaft als Gegner für die Generalprobe vor dem Start in die 2. Bundesliga – eine unglückliche Entscheidung, genauso wie die Mehrzahl der anderen Duelle in der Saisonvorbereitung: Dreimal gegen Vereine aus der 2. Regionalliga (Bramsche, VfB Gießen), zweimal aus der 1. Regionalliga (Herford, Dorsten) und nur je einmal gegen einen ProB-Klub (Wolfenbüttel) und ProA-Ligisten (Vechta) – das ist nicht der Mix, der erforderlich ist, wenn man sich fordern will. Hinterher von einem „vollen Erfolg“ über die Bramscher Amateure zu sprechen, klingt verwegen, auch wenn diese mutig in die Zweikämpfe gingen und mit Michael Harvey Jr. einen routinierten US-Amerikaner aufboten.

Satte 26 Rebounds für den Außenseiter schon bis zur Pause zuzulassen, war äußerst schwach, auch wenn die Dragons ihrerseits 24 holten. 48 % Trefferquote (10/21) aus der Nah- und Mitteldistanz waren akzeptabel, 14 % bei Dreiern (2/14) unterirdisch. Wenn die Schüsse aus der Ferne absolut nicht sitzen, gibt es ein altes „Hausmittel“, das die QTSV-Zweitligakorbjäger schon früher beherzigten: Einfach mal eine Weile näher rangehen… Meistens funktioniert‘s: Die Werfer bekommen mehr Sicherheit, die Trefferquote steigt, der Gegner hat eine neue Nuss zu knacken. Ein ausgefuchster Trainer sollte übrigens darauf bestehen.

Dass GermanHope Isaiah Hartenstein mit 12 Punkten (5/10 = 50 %) und acht Rebounds schon vor der Halbzeit – ähnlich wie gegen Vechta – seinen ProB-

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erfahrenen „Team-Mates“ zeigen musste, wo es langgeht, war symptomatisch, aber es klappte: Der 17-jährige rüttelte seine Mannschaft auf, ackerte am Brett, nahm auch schwierige Würfe, aber für die „legitimierte“ er sich durch Einsatz und Übersicht. 13 Rebounds, zwei Steals, zwei Blocks und drei Assists (minus zwei Ballverluste) erkämpfte der starke U18-Nationalspieler – Stats, die ähnlich hoch zu bewerten sind wie seine 16 Punkte.

Offenbar hatte Dragan Dojcin in der Kabine eine Standpauke gehalten, das war jedenfalls den Äußerungen einiger Spieler zu entnehmen. 21 gemeinsame Assists (Bramsche: 12) waren Beweis für ein verbessertes Zusammenspiel, 51 % Wurfquote (35/69) versöhnten, 53:19 Punkte als Korbausbeute im zweiten Durchgang waren bemerkenswert, auch wenn sie nicht das Maß aller Dinge darstellten.

So richtig schlugen die Dragons nach dem 22:11 im dritten Abschnitt (54:33) erst im letzten Viertel zu: 32:8 Punkte waren ein Indiz, dass den „Red Devils“ das Feuer ausging, die Konzentration bei den Dragons dagegen eher zunahm. Das macht Appetit auf einen – hoffentlich – spannenden Start in die ProB-Saison 2015/16.

GermanHope Isaiah Hartenstein führte das Team bis zur Halbzeit an

Isaiah Hartenstein übernahm bis zur Halbzeit die Rolle des Go-to-Guys & des Leaders

Und sonst? 1000 Zuschauer – bei einem attraktiveren Gegner wären es sicher weit mehr gewesen – freuten sich, dass mit Karl Potratz die vierte GermanHope/das vierte Nachwuchstalent der Young Dragons seine erste Chance bekam – ein Lichtblick neben Isaiah, Roberts Blumbergs und Thorben Döding, der allerdings verletzt auf der Bank blieb.

„Irgendwann will man die Pferdestärken auch mal auf die Strecke bringen“, hatte Alexander Heide seine Ungeduld klargemacht. Darf er: Am 26. September um 19.30 Uhr schlägt in der Artland Arena die Stunde der Wahrheit – bei der Saison-Premiere gegen die Hertener Löwen.

Die Regieanweisung zum Pre-Game-Ablauf bei diesem letzten Test hatte übrigens etwas Feierliches: „Start Spieluhr: Runterlaufen des Countdowns zum Spielbeginn“ stand da schwarz auf weiß – ein organisatorischer Probelauf für ein Ereignis, das am 3. Mai kurz nach 14 Uhr bei der „kollektiven Schockstarre“ ob der verhängnisvollen Pressemeldung der Artland Dragons niemand mehr zu träumen gewagt hätte: Es wird weiter „Pro“-Basketball in Quakenbrück geben – hochklassig, wenn auch (vorläufig?!) nicht auf Top-Niveau.

Text: Bernd Middendorf

 

 



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